Nach einer Hirnblutung, einem Unfall oder mit starkem Schwindel ist ein gewöhnliches Fahrrad plötzlich keine Freiheit mehr, sondern ein Risiko. Radtrike setzt genau dort ein: mit drei Rädern, tiefen Sitzen, Tandems und vor allem mit Zeit, um das Fahrzeug an den Menschen anzupassen.
Die Geschichte
Manfred Wiedemann ist Orthopäde und Unfallchirurg – und selbst begeisterter Trikefahrer. Aus dieser Verbindung entstand in Eschach kein gewöhnlicher Fahrradladen, sondern ein Test- und Beratungsort für Menschen, die Zweiräder nicht mehr sicher fahren können oder wollen. Seine langjährigen Freunde Rainer Brumm, Rainer Kirsamer und Bernd Weigel wirken mit; Werkstattleistungen übernimmt ein Partner in der Nähe.
Im Laden stehen Freizeit- und Hochleistungstrikes neben orthopädischen Modellen, Kinder-Trikes und Reha-Tandems. Kundinnen kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen: Gleichgewichtsverlust, Rückenprobleme, neurologische Einschränkungen, Angst nach einem Unfall oder der Wunsch, trotz Rollstuhl gemeinsam mit anderen unterwegs zu sein. Eine Beratung dauert deshalb nicht fünf Minuten, sondern kann eine Stunde und eine ausführliche Probefahrt umfassen.
Mit dem Verkauf werden Marke, Logo, Wirtschaftsdaten und neuwertige Vorführräder im Wert von rund 15.000 Euro übergeben. Kooperationen bestehen unter anderem mit HP Velotechnik, Icletta, Hase Bikes und Huka. Der heutige Standort im privaten Umfeld wird aufgegeben; die Firma selbst kann laut Inserat für weniger als 50.000 Euro übernommen und an einem neuen Ort weitergeführt werden.
Selbstbestimmte Mobilität ist keine kleine Zielgruppe
Ende 2025 lebten in Deutschland 7,8 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung. 45 Prozent waren zwischen 55 und 74 Jahre alt, weitere 34 Prozent mindestens 75. Gleichzeitig stieg der Anteil der Menschen ab 60 Jahren an der Gesamtbevölkerung auf 31 Prozent. Nicht jeder braucht ein Spezialrad – aber sehr viele Menschen suchen Wege, länger eigenständig aktiv zu bleiben.
Radtrike verkauft deshalb nicht einfach ein ungewöhnliches Fahrrad. Der eigentliche Wert entsteht beim Übersetzen zwischen körperlicher Voraussetzung, Sicherheitsgefühl, Alltag und Fahrzeug. Das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung führt Zwei- und Dreiräder als mögliche Hilfsmittel; bei Kindern kann eine medizinisch begründete Versorgung besonders relevant sein.
Die Herstellerkontakte sind wichtig, doch die Vertrauensposition ist schwerer zu kopieren: Ein ehemaliger Orthopäde lässt Interessierte verschiedene Konzepte in ruhiger Umgebung ausprobieren, erklärt Grenzen und begleitet die ersten Kilometer. Genau dieses Beratungsmodell kann auch ohne große Verkaufsfläche an Reha-Orte, Kliniken und regionale Testtage gebracht werden.
Der Owner-Path-Blick
- Medizinische Erfahrung, Produktkenntnis und persönliche Probefahrt greifen hier unmittelbar ineinander.
- Das Produkt kann für Kundinnen nicht nur komfortabler, sondern der Weg zurück zu Natur, Arbeit und Gemeinschaft sein.
- Mehrere etablierte Spezialrad-Hersteller und eine externe Werkstatt machen das Modell leichter übertragbar als einen klassischen Vollsortimentsladen.
Die Gelegenheit
Die große Chance ist kein größerer Fahrradladen. Radtrike kann zu einem mobilen Zugangssystem für selbstbestimmte Bewegung werden – mit besserer Vorbereitung, mehr Testorten und gebrauchten Rädern für unterschiedliche Lebensphasen.
Beratung beginnt vor der Anfahrt
Ein geschützter digitaler Vorab-Check sammelt Körpermaße, Alltagssituationen, bisherige Erfahrungen und ärztlich formulierte Ziele. Videoaufnahmen können Haltung und Bewegungsabläufe für das Fachgespräch strukturieren; die Entscheidung bleibt bei qualifizierten Menschen. So stehen beim Termin bereits die zwei oder drei sinnvollsten Konzepte bereit.
Probefahrten kommen zu den Menschen
Ein kleiner mobiler Fuhrpark besucht Reha-Kliniken, Selbsthilfegruppen, inklusive Sportvereine und Seniorentreffs. Ein Testtag kombiniert kurze Vorträge, echte Runden und Gespräche mit bestehenden Fahrerinnen. Jede Station erzeugt regionale Nachfrage, ohne sofort eine neue Filiale zu benötigen.
Ein zweites Leben für Spezialräder
Rückkauf, Aufbereitung und Anpassung schaffen einen geprüften Gebrauchtmarkt. Das senkt die Einstiegshürde, hält wertvolle Rahmen im Einsatz und eröffnet Mietmodelle für Rehabilitation oder saisonale Nutzung. Digitale Fahrzeugakten dokumentieren Umbauten, passende Komponenten und Servicehistorie.
Für eine Physio- oder Orthopädietechnikerin mit Unternehmergeist, ein Team aus Fahrradtechnik und digitaler Versorgung oder einen inklusiven Mobilitätsanbieter, der Beratung vor reinen Stückzahlen stellt.
Die Eckdaten aus dem Inserat
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