Bevor eine Kollektion bestellt wird, denkt Katrin Hörmandinger-Kroath bereits an Menschen, denen einzelne Stücke passen könnten. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Modekatalog und einem Laden, der seine Kundschaft seit Jahren wirklich kennt.
Die Geschichte
2010 stand Michael Hörmandinger vor seinem Kleiderschrank und beschloss, nur noch bio-faire Kleidung zu tragen. Weil er dafür bis Linz fahren musste, entstand beim Waldspaziergang die Idee für ein eigenes Geschäft. 2011 eröffneten Michael und Katrin LightWear in der Vöcklabrucker Vorstadt – gegen viele Zweifel und mit der Überzeugung, dass nachhaltige Mode nicht nach Verzicht aussehen darf.
Heute führt der Laden Kleidung für Damen, Herren und Kinder von rund 20 etablierten Labels, viele davon GOTS- oder Fair-Trade-zertifiziert. Das Spektrum reicht von Jeans und Streetwear bis zu Businesskleidung, Mänteln, Babyartikeln und Heimtextilien. Nach fünf Jahren übernahm Katrin die operative Führung; persönliche Auswahl und eine über die Bezirksgrenzen gewachsene Stammkundschaft wurden zum Kern.
Ab Januar 2027 soll LightWear in neue Hände übergehen. Die WKO nennt eine Fläche von 51 bis 100 Quadratmetern, keine Beschäftigten und eine Umsatzklasse bis 200.000 Euro. Übergeben wird kein anonymer Bestand, sondern ein seit mehr als 15 Jahren kuratiertes Sortiment in zentraler Lage – mit direktem Zugang zu den Inhabern und einer Marke, die Nachhaltigkeit schon lange vor dem heutigen Modetrend gelebt hat.
Wenn Herkunft sichtbar wird, gewinnt die persönliche Auswahl
Textilien gehören laut EU-Kommission zu den Konsumbereichen mit den höchsten Auswirkungen auf Klima, Wasser und Flächen. Die europäische Textilstrategie fordert deshalb langlebigere, reparierbare und besser recycelbare Kleidung. Im Juli 2026 ging das Register für digitale Produktpässe online; Bekleidung zählt zu den priorisierten Produktgruppen.
Parallel wächst die zertifizierte Infrastruktur. GOTS meldete für 2025 weltweit 17.800 zertifizierte Betriebe in 95 Ländern – 15,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Kundinnen wird die Auswahl damit größer, aber nicht automatisch einfacher. Material, Schnitt, glaubwürdige Nachweise und reale Tragbarkeit müssen weiterhin zusammenpassen.
Genau hier besitzt LightWear etwas, das ein allgemeiner Marktplatz kaum kopiert: langjährige Kenntnis darüber, welche Marken, Größen und Stoffe bei realen Menschen funktionieren. Verbindet man dieses Beratungswissen mit Produktpässen, Reparatur und Wiederverkauf, kann der Laden die nachhaltige Garderobe über Jahre begleiten – statt nur einzelne Teile zu verkaufen.
Der Owner-Path-Blick
- Mehr als 15 Jahre Beratung haben aus rund 20 Labels ein glaubwürdiges, regional bekanntes Sortiment gemacht.
- Die sichtbaren Inhaber übergeben Geschichte, Lieferantenbeziehungen und eine treue Kundschaft statt nur Einrichtung und Lager.
- Digitale Produktpässe, Reparatur und Wiederverkauf eröffnen einem kleinen Laden neue wiederkehrende Leistungen rund um die Garderobe.
Die Gelegenheit
LightWear muss nicht mit der unendlichen Auswahl des Internets konkurrieren. Der Laden kann sich merken, was Menschen wirklich tragen – und daraus eine kleinere, schönere und kreislauffähige Garderobe bauen.
Die Garderobe erinnert sich
Kundinnen speichern freiwillig Lieblingsschnitte, Materialien, vorhandene Stücke und echte Trageerfahrungen. Eine private Assistenz schlägt daraus wenige Ergänzungen oder Kombinationen vor; die Inhaberin kuratiert und probiert mit dem Menschen vor Ort. Das Ergebnis ist kein weiterer Feed, sondern eine Garderobe, die mit jedem Besuch verständlicher wird.
Jedes gute Stück bekommt ein zweites Kapitel
Produktpass, Reparatur, Änderung und geprüfter Wiederverkauf werden im Laden gebündelt. Kundinnen geben hochwertige Stücke zurück, erhalten Guthaben und sehen, wie lange sie bereits getragen wurden. Aus Verkauf entsteht ein lokaler Kreislauf – und aus der Nähmaschine eine sichtbare Servicefläche statt eines Hinterzimmerdetails.
Die Innenstadt wird zur Mode-Redaktion
Monatliche Capsule-Abende, Kleiderschrank-Sprechstunden und kleine Creator-Formate verbinden Kundschaft, lokale Fotografen, Schneiderinnen und die Menschen hinter den Labels. Aus jeder Veranstaltung entstehen tragbare Kombinationen für den Shop und ehrlicher Content aus Vöcklabruck – nicht die nächste austauschbare Kampagne aus einem Studio.
Für eine modebegeisterte Gastgeberin, ein Duo aus Styling und Kreislaufwirtschaft oder eine jüngere Handelsgründerin, die persönliche Beratung mit einem schlanken digitalen Produkt verbinden möchte.
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