Die Idee begann auf einer Reise nach Kapstadt: Annemarie Heyl und Konstantin entdeckten dort das Saftfasten – und bauten daraus 2015 eine Hamburger Marke, die kaltgepresste Säfte mit eigener Produktion im Alten Land verbindet.
Die Geschichte
Kale&Me verarbeitet Obst und Gemüse zu unpasteurisierten Säften und kompletten Saftkuren. In Horneburg produziert das Unternehmen seit 2018 gemeinsam mit Elbe-Obst: Rohwaren werden von Hand geprüft, kalt gepresst und anschließend mit Hochdruck haltbar gemacht. So bleiben die Produkte gekühlt bis zu zehn Wochen frisch, ohne dass klassische Hitze-Pasteurisierung den Charakter bestimmt.
Aus dem ursprünglichen Onlinegeschäft entstand ein breiterer Vertrieb. Laut DistressWire beliefert Kale&Me inzwischen auch Einzelhandel, Hotels, Gastronomie und Sportclubs. Zwölf Mitarbeitende arbeiten weiter, während Gründerin und Geschäftsführerin Annemarie Heyl das Unternehmen im Schutzschirmverfahren neu aufstellt und gemeinsam mit Beratern einen Investor sucht.
Das macht die Geschichte größer als eine einzelne Wellness-Kur: Marke, Rezepturen, Direktkundschaft, B2B-Zugänge und eine reale Produktionsbasis treffen auf einen Markt, in dem klassische Fruchtsäfte unter Druck stehen, Gemüsesäfte und Bio-E-Commerce aber eigene Wachstumsfenster öffnen. Kale&Me besitzt bereits die Infrastruktur, um diese Verschiebung in neue tägliche Routinen zu übersetzen.
Weniger Standardsaft, mehr funktionale und bewusste Routinen
Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie meldete für 2025 einen Pro-Kopf-Verbrauch von 22,5 Litern. Während Fruchtsaft insgesamt nachgab, legte Gemüsesaft um zehn Prozent auf 2,2 Liter zu – ein kleineres Segment, aber eines mit klarer Gegenbewegung.
Parallel wuchs der deutsche Bio-Lebensmittel- und Getränkemarkt im ersten Quartal 2026 auf 4,91 Milliarden Euro, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Onlinehandel entwickelte sich nach Angaben des BÖLW sogar zweistellig. Für eine digital geborene Saftmarke sind das relevante Signale: Herkunft, Verarbeitung und Nutzungsanlass müssen präziser erzählt werden als bloß „gesund“.
Kale&Me bringt dafür eine seltene Kombination mit: eigene Herstellung, gekühlte Versandfähigkeit, Erfahrung mit mehrtägigen Kurpaketen und erste B2B-Kanäle. Der nächste Schritt kann die Marke von gelegentlichen Detox-Wochen in wiederkehrende, messbar hilfreiche Genuss- und Versorgungsroutinen führen.
Der Owner-Path-Blick
- Eine bekannte Gründerstory trifft auf eigene Lebensmittelproduktion statt auf eine reine Handelsmarke.
- Gemüsesaft und Bio-E-Commerce zeigen aktuelle Wachstumssignale, obwohl der klassische Saftmarkt schrumpft.
- Die vorhandenen D2C- und B2B-Kanäle erlauben einen Neustart über mehrere Nutzungsmomente statt nur über Detox-Kampagnen.
Die Gelegenheit
Kale&Me kann aus der episodischen Saftkur ein Betriebssystem für frische Routinen machen – persönlicher im Direktgeschäft und planbarer für Partner.
Aus der Kur wird ein flexibler Wochenplan
Kundinnen wählen Energie, Gemüseanteil, Alltag und Lieferfrequenz; daraus entsteht ein Mix aus Säften, Shots und Pausentagen statt eines starren Pakets. Rückmeldungen steuern die nächste Box und senken zugleich Fehlkäufe und Kündigungen.
Kühlschränke werden zum B2B-Medium
Hotels, Studios, Büros und Sportclubs erhalten markierte Kühlmodule mit bedarfsgerechter Nachlieferung. Absatzdaten zeigen, welche Produkte an welchem Ort funktionieren; QR-Codes führen zu Herkunft, Zutaten und einer direkten Nachbestellung.
Das Alte Land liefert die saisonale Dramaturgie
Limitierte Chargen erzählen Erntefenster, Sorten und Produzenten aus der Region. Vorverkauf und Wartelisten helfen, Mengen zu planen; aus der Manufaktur wird ein sichtbarer Gegenpol zu austauschbaren Functional-Drinks.
Für einen Food- oder D2C-Betreiber mit Erfahrung in gekühlter Logistik, Markenführung und B2B-Partnerschaften, der Produktion und Kundenerlebnis gleich ernst nimmt.
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