Ein schwarzes Korn kann Wasser und Nährstoffe im Boden halten. Im Beton kann es mineralischen Baustoff mit dauerhaft gespeichertem Kohlenstoff verbinden; im Filter bindet seine poröse Oberfläche unerwünschte Stoffe. Genau zwischen diesen Welten sitzt Carbio.
Die Geschichte
Hans Sanzenbacher gründete die ProE Bioenergie GmbH 2006, um Anlagen für erneuerbare Energie zu entwickeln. Rund zehn Jahre später begann das Team, sich intensiv mit Pflanzenkohle zu beschäftigen. Seit 2018 verkauft der eigene Shop Produkte für Garten, Tierhaltung, Gülle und Terra Preta; seit 2019 wird das Geschäftsfeld unter der europaweit geschützten Marke Carbio ausgebaut.
Die Kohle entsteht durch Pyrolyse pflanzlicher Reststoffe. Laut Unternehmensbroschüre erreicht sie mehr als 80 Prozent Kohlenstoff, wird chargenweise und rückverfolgbar hergestellt und deckt Anwendungen vom Bodenaktivator bis zur Futterkohle ab. Im Team verbinden sich Anlagenbau, Betriebswirtschaft und Produktwissen; Geschäftsführer sind Hans Sanzenbacher und Sandra Bayer.
Nun will ProE die Sparte per Asset Deal abgeben, weil das Unternehmen seine Ressourcen wieder auf Energieanlagen und Effizienzberatung konzentriert. Shop, Marke und Fachwissen treffen auf Umsatz und Kaufpreis jeweils bis 50.000 Euro. Der heutige Handel ist klein – doch genau jetzt entsteht um zertifizierte Kohlenstoffentnahme und biogene Baustoffe ein deutlich größerer technischer Kontext.
Aus Bodenhilfsstoff wird eine Materialplattform
Pflanzenkohle ist ein langlebiger Kohlenstoffspeicher, wenn sie fachgerecht hergestellt und dauerhaft verwendet wird. Eine 2026 veröffentlichte Analyse des Umweltbundesamts nennt je Tonne Pflanzenkohle ein gespeichertes Äquivalent von etwa 2,1 bis 4,8 Tonnen CO₂. Gleichzeitig betont das Amt, wie wichtig saubere Ausgangsstoffe, kontrollierte Pyrolyse und Zertifizierung sind.
Der Markt bekommt dafür eine neue Sprache. Die EU hat 2026 eine Zertifizierungsmethodik für Biochar Carbon Removal geschaffen. Damit werden Herkunft, zusätzliche Entnahme, Dauerhaftigkeit und Überwachung zu marktfähigen Eigenschaften – nicht nur das Gewicht eines Sacks. Wer Chargen und Anwendung nachvollziehbar dokumentiert, kann Material und Klimawirkung zusammen anbieten.
Fraunhofer UMSICHT nennt Beton, Asphalt und Kunststoffe ausdrücklich als mögliche Anwendungen, in denen Biokohle den CO₂-Fußabdruck senken oder Eigenschaften verändern kann. Für Carbio liegt darin eine größere Rolle als der reine Onlinehandel: die Verbindung zwischen geeigneter Kohle, verlässlichen Daten und einem konkreten Produktentwickler im Garten-, Bau- oder Filtermarkt.
Der Owner-Path-Blick
- Eine europaweit geschützte Marke, ein laufender Shop und rund zehn Jahre Fachwissen verkürzen den Weg von der Materialidee zum Kunden.
- Pflanzenkohle kann mehrere Märkte verbinden: Boden, Tierhaltung, Baustoffe, Filter und zertifizierte Kohlenstoffspeicherung.
- Mit Kaufpreis und Umsatz bis 50.000 Euro ist der Einstieg klein genug für ein fokussiertes Material-Start-up – ohne bei null zu beginnen.
Die Gelegenheit
Der große Schritt ist nicht der nächste Sack Gartenerde. Carbio kann die vertrauenswürdige Schnittstelle werden, die eine passende Kohle, eine konkrete Anwendung und den gespeicherten Kohlenstoff in einem Produkt zusammenführt.
Jede Charge bekommt einen Materialpass
Ausgangsstoff, Pyrolyse, Kohlenstoffgehalt, Körnung, Zertifikat und dauerhafte Anwendung werden in einem digitalen Pass verbunden. Ein Assistent sortiert technische Anfragen aus Gartenbau, Beton oder Filtration vor; ein Materialexperte bestätigt Eignung und Dosierung. Kunden kaufen damit nicht nur Granulat, sondern nachvollziehbare Eigenschaften.
Architekten können Kohlenstoff anfassen
Kleine Musterboxen zeigen Biochar-Putz, Beton, Pflanzsubstrat und Filtermaterial nebeneinander. Mit Hochschulen, Baustofflaboren und jungen Architekturbüros entstehen dokumentierte Pilotobjekte – vom Stadtbaum bis zur Innenwand. Jede Box führt zur Rezeptur, zum CO₂-Pass und zu einem Partner, der sie real umsetzen kann.
Lokale Reststoffe werden zu lokalen Produkten
Kommunen, Sägewerke und Landschaftspflegebetriebe bringen geeignete Biomasse; Carbio verbindet sie mit kontrollierter Pyrolyse und regionalen Abnehmern. Ein wiederholbares White-Label-Paket aus Qualitätsprüfung, Produktrezeptur, Verpackung und Klimadokumentation macht aus Grünschnitt einen Stadtboden, Filter oder Baustoff mit Herkunft.
Für ein Team aus Materialwissenschaft und Marke, einen Baustoff- oder Gartenbauunternehmer mit Entwicklungswillen oder eine Climate-Tech-Gründerin, die aus Zertifikaten verständliche Produkte machen kann.
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