Eine klassische Brillenfassung wird in Größen gedacht. Diese Marke denkt in Gesichtern: Die App vermisst Proportionen, das Design verändert sich parametrisch – und aus feinem PA12-Pulver entsteht erst dann die individuelle Fassung.
Die Geschichte
Seit Sommer 2022 verkauft die Brillenmarke individuell gefertigte Korrektions- und Sonnenbrillen über ausgewählte Optiker in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mehr als 40 Grunddesigns bilden die gestalterische Bibliothek. Weil Maße, Form und Details digital variiert werden, entstehen laut Angebot über 4.000 Konfigurationen je Kollektion – ohne für jede Kombination ein klassisches Lager aufzubauen.
Das Herzstück ist eine eigene AR-3D-App im Apple App Store. Sie erfasst das Gesicht, konfiguriert die Fassung in Echtzeit und übergibt den Auftrag an die Produktion. Gefertigt wird industriell aus biokompatiblem PA12 im additiven Verfahren. Rund 50 Fachoptiker in DACH gehören zum Händlernetz, eine Schweizer Repräsentanz ist vorhanden, die Kollektion 2026 wird bereits nachbestellt. Hinzu kommen etwa 400 Brillen im Lager, POS-Material, Fotoarchiv und ein Branchenpreis aus dem Jahr 2022.
Der Markenname bleibt im Inserat bewusst vertraulich. Öffentlich sichtbar ist dagegen der Produktionsgründer: Die frank3d GmbH wird von Oliver Frank geführt und kann die Fertigung auf Wunsch fortsetzen. Verkauft werden Marke, Domains, Händlerportal, App-Nutzungsrechte mit Quellcode-Option, parametrische Konstruktionsdaten, Lieferantenbeziehungen und Händlernetz. Der aktive B2B-Umsatz liegt bei etwa 30.000 bis 60.000 Euro jährlich, der Preis im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Sieben Milliarden Euro Markt – aber die Beratung bleibt überraschend analog
Die deutsche Augenoptik setzte 2025 mehr als sieben Milliarden Euro um und verkaufte knapp zwölf Millionen komplette Brillen. Der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen beschreibt den Markt als stabil, aber im Strukturwandel: Rund 10.700 Betriebsstätten bleiben, während die zehn größten Unternehmen bereits 55 Prozent des Umsatzes bündeln. Kleine Häuser brauchen deshalb ein Profil, das nicht nur über den Einkaufspreis entsteht.
Online allein löst dieses Problem nicht. Brillen und Zubehör erreichen laut ZVA erst fünf Prozent Online-Umsatzanteil; individuelle Sehlösungen und fachkundige Anpassung bleiben die Stärke des stationären Handels. Genau hier sitzt die Marke: Die App übernimmt Vermessung und Variantenraum, der Optiker behält Glasberatung, Passformkontrolle und Beziehung.
Auch regulatorisch wird Individualisierung sichtbarer. Die EU hat für stark variantenreiche Brillenfassungen eine Master-UDI-DI-Systematik geschaffen, die ab November 2028 angewendet wird. Ein Käufer übernimmt deshalb nicht nur Gestaltung und Vertrieb, sondern ein digitales Produktionssystem, dessen Daten, Kennzeichnung und Qualität gemeinsam skalieren müssen.
Der Owner-Path-Blick
- App, parametrische Konstruktionsdaten und Fertigungsweg bilden gemeinsam einen schwer kopierbaren Prozess – nicht bloß eine weitere Fassungskollektion.
- Rund 50 bestehende Optiker verbinden digitale Maßfertigung bereits mit dem wichtigsten Vertrauenskanal der Branche.
- Oliver Frank ist als Produktionsgründer öffentlich erreichbar und bietet die Fortführung der Fertigung an, obwohl der Markenname vertraulich bleibt.
Die Gelegenheit
Die Marke gewinnt nicht, wenn Kundinnen allein vor dem Smartphone Brillen durchwischen. Sie gewinnt, wenn digitale Maßarbeit den unabhängigen Optiker stärker macht – mit weniger Musterbestand, mehr gestalterischer Freiheit und einer Fassung, die wirklich aus dem eigenen Gesicht entsteht.
Der Optiker bekommt ein Maßatelier ohne Lagerwand
Nach dem Gesichtsscan schlägt das System wenige passende Proportionen und Designrichtungen vor; der Optiker prüft Sitz, Sehaufgabe und Stil. Bestellt wird erst nach der Beratung. So werden 4.000 Varianten nicht zur Auswahlüberforderung, sondern zu einem kuratierten Maßservice für Menschen, die mit Standardgrößen kämpfen.
Lokale Designer bauen Kollektionen auf demselben Motor
Illustratorinnen, Architekturbüros und Modehäuser entwickeln kleine digitale Fassungsfamilien, ohne Formenwerkzeuge und große Mindestmengen zu finanzieren. Die Plattform übersetzt jedes Design in zulässige parametrische Grenzen; lokale Optiker launchen die Edition mit ihren besten Kunden. Produktion auf Abruf macht Nische wirtschaftlich.
Aus der App wird eine White-Label-Infrastruktur
Optikergruppen und unabhängige Brillenmarken lizenzieren Gesichtsscan, Konfigurator, Händlerportal und Produktionsübergabe unter eigenem Namen. frank3d fertigt weiter oder zertifiziert zusätzliche Partner. Wiederkehrende Software- und Produktionsgebühren ergänzen den Kollektionserlös, während Qualitätsdaten über alle Aufträge zurück in Passform und Konstruktion fließen.
Für eine Augenoptikgruppe mit eigener Hausmarke, einen Brillenhersteller mit Digitalambition oder ein Gründerteam aus Produktdesign, additiver Fertigung und regulierter Medizintechnik-Nähe.
Die Eckdaten aus dem Inserat
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